Cydonia oblonga
Die harten Früchte des Quittenbaums sind nicht jedermanns auch nicht jederfraus Geschmack. In den Klöstern südlich der Mainlinie waren die Quitten durchaus geschätzte Früchte, wegen ihrer langen Haltbarkeit, des hohen Nährwertes und ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften. Die im reifen Zustand äusserst harten Früchte können nur durch Braten, Dünsten oder Kochen als Lebensmittel geniessbar gemacht werden. Ohne Zubereitung bleiben sie hart und verströmen einen parfümartigen fruchtigen Duft. Dass Mönche oder Nonnen die Früchte als Wäschebedufter verwendet hätten, ist nicht überliefert. Auch von bösen Zungen gestreute Gerüchte, dass mit den knochenharten Früchten innerklösterliche Meinungsverschiedenheiten ausgetragen wurden, wurden bisher nicht bezeugt oder belegt. Als handliche Wurfgeschosse eignen sie sich durchaus.

Hildegard von Bingen
„Der Quittenbaum … ähnelt der Schlauheit, die manchmal nützlich ist und manchmal nichtsnutzig.“
Roh gegessen schaden die Früchte dem Gesunden wie dem Kranken. Gekocht oder gebraten sind sie für Kranke und Gesunde wertvoll.
Aus heutiger Sicht scheint es uns kaum glaubwürdig, dass Obstbaumfrüchte als Heilmittel Verwendung fanden. Die Quittenfrüchte eignen sich jedoch durchaus dafür. Sie sind reich an Spurenelementen wie Kalium, Eisen, Kupfer, Mangan und Natrium. Darüber hinaus enthalten sie viel Pektin und Schleimstoffe. Letztes sind pflanzliche Inhaltsstoffe, die besonders bei empfindlichen Magen und Darmproblemen gute Dienste erweisen können. Hildegard von Bingen empfahl sie als regelmässige Mahlzeit für an Gicht Leidende. Als diätisches Lebensmittel haben sie durchaus eine Eignung, vorausgesetzt auf den Zucker wird verzichtet. Dann ist sie aber eine herbe Speise.
Nur für einen kurzen Zeitraum im Mai und Juni entblättern sich die leicht rosa gefärbten Blüten der Quittenbäume.

Die Verarbeitung der harten Quittenfrüchte ist so anstrengend, wie ihre Verwendung vielfältig ist. Am bekanntesten sind die Quitten-Gelees für den Brotaufstrich. Quittenbrot ist im Tessin eine lokale Spezialität. Auch andernorts gibt es eine Vielzahl von Rezepten mit Quitten als Backzutat. Zur Not lassen sich die Früchte auch zu Schnaps verarbeiten. Sollte Ihnen in Spanien Dulce de membrillo angeboten werden, handelt sich garantiert um den eingedickten Saft reifer Quitten. Die süsse gummiartige Masse ist irgendwie aus der Mode gekommen. Vielleicht liegt es an dem nostalgischen Geschmack, der an längst vergangene Zeiten erinnert, als Gummibärchen noch nicht die Welt erobert hatten.






