In den Gärten der Benediktiner

Es brauchte schon die Überredungskünste dreier Engel, um die Klostergründung am heutigen Standort durchzusetzen. Ein nach Norden ausgerichtetes Tal, das zudem eine Sackgasse ist, erschienen dem Stifter Konrad von Sellenbüren und dem ersten Abt Adelhelm als allzu unwirtlich. Die sprichwörtliche Engelsgeduld zahlte sich aus. Eine Quelle gab es gratis dazu. Adelhelm als erster Abt durfte sie der Legende nach mit seinem Krummstab eröffnen. Mittlerweile sind mehr als 900 Jahre vergangen und die Benediktinergemeinschaft labt sich immer noch aus ihr. Inwiefern sie zur Bewässerung ihrer Gärten genutzt wird, ist unklar. Dürsten müssen die pflanzlichen Pfleglinge der Engelsberger Benediktiner auf gar keinen Fall. Davon zeugen das kräftige Grün und die bunte Blütenpracht in den Gärten des Klosters, selbst wenn das Wetter mit seinen Kapriolen den Gärtnerinnen und Gärtnern ab und an ihr Werk ruiniert.

blumenarrangements schmücken die Fensterbretter im Benediktinerkloster Engelberg.
Blumenarrangement
Blick aus dem Fenster in den Klostergarten des Benediktinerklosters Engelberg.
Blick aus dem Fenster in den Klostergarten
garten insight. Zwischen den Gemüsen blüht es recht dekorativ.
Garten insight
Blick auf die Berge bei nahendem Gewitter aus dem Klostergarten der Benediktiner von Engelberg.
bruder thomas gartenbank. Die Bank im Klostergarten ist ein Ruhepol, der sehr begehrt ist.

Die beste Schweizer Bank

Die beste Schweizer Bank steht wahrscheinlich im Innenhof des Benediktinerklosters Engelberg unter zwei Ahornbäumen mit Blickrichtung West zum stetig vor sich hinsprudelnden Brunnen. Sie ist stabil, diskret und solide, ganz offensichtlich ein Schweizer Qualitätsprodukt. Den Nutzern bietet sie erholsamen Schatten, Ruhe und einen schönen Blick auf die Berge der Urner Alpen, die imposant über die grauen Schieferdächer ragen. Der Zugang zu ihr ist limitiert. Er ist einem erlesenen Personenkreis vorbehalten. Herren in schwarzen Habits pflegen stundenlang fast regungslos auf ihr zu verharren. Manchmal scheinen sie in eine Lektüre vertieft. Es sollen bereits Vorfälle von Müssiggang auf ihr beobachtet worden sein. Sie ist ein schöner Platz zum Innehalten, fürs Gebet und Kontemplation. Nur die Schwalben könnten es genauer wissen, wenn sie bei ihren tollkühnen Flügen durch den Innenhof die Bank im Auge hätten.

Bruder Thomas zeigt dem Besucher seinen Lieblingsplatz im Klostergarten.
brunnen bunt, barocke Formen müssen nicht kitsch- und prunkgetrieben sein. Dem Negativbeispiel einiger österreichischer Klöster wurde bei der Neuanlage dieses Gartens nicht gefolgt. Die kreuzenden Wege symbolisieren die vier Himmelsrichtungen
Ohne fleissige Gärtner und Helfer bleibt jeder Garten öd. Gottlob finden sich eifrige Hände für den Klostergarten der Benediktiner in Engelberg.

Menschen tendieren zur Bildung von Gruppen und nachrangig zu Untergruppen. So ist die gängige Vorstellung von Soziologen. Innerhalb jeder dieser Gruppen existieren eigene Ideen und Präferenzen, die sie versuchen umzusetzen. Das ist in Klöstern nicht anders. Selten beschränken sich Klöster im Laufe der Geschichte auf die Anlage eines einzigen Gartens. In Engelberg gab es neben den grossen bewirtschafteten Gärten unter anderem einen Patres- und einen Fratres-Garten. Der Baumbestand, der Rasen und die Bestuhlung verraten, dass sich die Interessen verschoben und somit die Nutzungen geändert haben. Es ist der ehemalige Gemüsegarten gegenüber den Wirtschaftsgebäuden des Klosters, der für die Kräuter umgewidmet wurde. Ein paar Reihen mit Zwiebeln, Feldfrüchten und Sommerblumen wurden beibehalten. Vielleicht wurde der Gemüseanbau an den Bedarf der Klosterbewohner angepasst. Nun ist es ein kraftspendender Ort wegen seiner Ruhe, der frischen Luft und der Kräuter.

Heilkräuter aus dem Klostergarten

Eine nette Geste ist das, wenn das Cola-Kraut den Schülerinnen und Schülern der Stiftsschule des Klosters gewidmet ist. Dabei haben die Gärtnerinnen und Gärtner übersehen, dass die jüngere Generation mehr an klarem Wasser als an Süssgetränken interessiert ist.

Die Zeiten ändern sich, aber der Spass am Duft der aromatischen Blättchen bleibt! Wieso das Kraut häufig in Klostergärten zu finden ist, erklären wir in der der Rubrik:

Eine Reminiszenz an die Internatsschüler des Klosters Engelberg. Colakraut. Obwohl die Generation Wasser den Süssgetränken vorzieht.

Aromatisches fürs Wohlbefinden

Die gängige Vorstellung, dass die Schweizer gesunden Kräutern besonders zugetan sind, besteht nicht erst seit der erfolgreichen Werbung eines namhaften Karamellenherstellers. Wem sei es zu verdenken, wenn beim Gang über Almen oder auf Wanderungen in den Bergen der Duft würziger Kräuter in die Nase steigt? Diese permanente Verfügbarkeit unterliegt wie im Falle der Alpengipfel keinen Abnutzungserscheinungen. Vielmehr ist das Interesse und der Enthusiasmus an natürlich Gesundem ungebrochen – so auch an Heilkräutern, denen im Kloster Engelberg ein eigener Garten gewidmet wurde.

kräutergarten tor. Der ehemalige Gemüsegarten ist nun zum Kräutergarten aufgestiegen.

Kraft und viel Sonne

Es sind überwiegend Würzkräuter, denen im Engelberger Kräutergarten einen Platz eingeräumt wurde. Viele Varianten von Salbei und Minze wurden gepflanzt. Die Auswahl erinnert an einen guten Schweizer Kräutertee, der vor allem gut schmecken muss, und heilende Wirkungen nicht vordergründig sind. Obwohl die Heilkräuter unterrepräsentiert sind, trifft der Kräutergarten den Nerv seiner Besucher. Immer wieder ziehen Begeisterte zwischen den Beeten ihre Bahnen. Beschriftete Schiefertafeln helfen ihnen bei der Orientierung. Weniger Begeisterungsfähige erfreuen sich in der Sonne auf den Mauern und Bänken sitzend allein am schön gestalteten Gärtchen vor der historischer Fassade des Winkels.

Zitronenverbene im Kräutergarten des Benediktinerklosters Engelberg.
Minz und Kunz
kräutergarten von oben. Winkel werden die ehemaligen Wirtschaftsgebäude des Klosters Engelberg genannt.
Kräutergarten von oben
kräutergarten bitte nicht betreten. Das Schild mahnt die Besucher des Klosters Engelberg.
Lauch und Zwiebeln

Info und Anreise:

Der Kräutergarten ist über den Klosterhof frei zugänglich. Den Blick auf den innenliegenden grossen Klostergarten gibt es nur im Rahmen einer Klosterführung.

https://kloster-engelberg.ch