
Ordensgemeinschaften und ihre Gärten
Einheit in Vielfalt
Klöster sind Stätten gemeinsamen Betens, Arbeitens und Lebens in Abgeschiedenheit, Stille und Kontemplation. Die unterschiedlichen Ausrichtungen in Spiritualität und im Zusammenleben der verschiedenen monastischen Orden finden Ausdruck in der Architektur und der Gestaltung und Anlage ihrer Gärten. Der Lauf der Zeit, die Landschaft, die klimatischen Bedingungen haben Stilrichtungen, Geschmack und Gestaltungswillen der Gärtnerinnen und Gärtner beeinflusst. Voller Ehrfurcht und Bewunderung schauen wir auf die gärtnerischen Werke, die oftmals auch ein Gebet sind. Der Anbau von Heilkräutern und Heilpflanzen in Klostergärten hatte seit Anbeginn Tradition, die auf einer Notwendigkeit der Selbstversorgung basierte. Später wuchs sich das als Wirtschaftsfaktor aus, der im Laufe der Geschichte vom pharmazeutischen Gewerbe verdrängt wurde.
Vom Schönen und Nützlichen
Nachdem die Klostergärten im Laufe der Geschichte ihre Bedeutung als Zulieferer der Klosterapotheke oder als Prunkgarten einbüssten, verlor auch die gärtnerische Hinwendung an Intensität. Lange Zeit nach ihrer Blüte waren die Klostergärten oftmals reine Nutzgärten für den Obstbau oder Plätze zum Trocknen der Wäsche geworden. Die Prunkgärten wurden aufgrund ihrer aufwändigen Pflege und ihres teuren Erhalts durch Ziergärten ersetzt. Vielfach konzentrierte sich das Vorhandensein eines Gartens auf die Gestaltung des innenliegenden Kreuzgangs. Gesellschaftliche Umwälzungen im Laufe der Geschichte führten immer wieder zur Auflösung und Aufhebung von Klöstern. Ihre Gebäude und Anlagen wurden mannigfaltig neuen Nutzungen zugeführt, oder sie verkamen schlichtweg.
Die Renaissance der Klostergärten
In den letzten Jahrzehnten ist das Interesse an Klostergärten wieder erwacht. Einerseits spiegelt das die Suche nach Spiritualität in einer zutiefst säkularisierten Zeit und zugleich die Wahrnehmung eines realen Verlusts naturgebundenen Raumes wieder. Eine Entsprechung dieser tief empfundenen Sehnsucht nach Alternativen bieten die vielen Gärten der monastischen Gemeinschaften.
Ein Begriff mit vielen Erklärungen
Unter Orden verstehen wir Gemeinschaften von Frauen oder Männern, die aus religiöser Motivation einer bestimmten Lebensform folgen, denen eine Ordensregel zugrunde liegt. In der katholischen Kirche unterstehen sie dem Dikasterium für die Institute geweihten Lebens (Instituta vitae consecratae) und für die Gesellschaften apostolischen Leben (Societates vitae apostolicae).
Innerhalb der „Institute des geweihten Lebens“ (Instituta vitae consecratae) wird unterschieden zwischen den in klösterlichen Gemeinschaften organisierten kontemplativen Orden (Instituta religiosa) und denen, die im Weltlichen im „Verborgenen“ wirkenden (Instituta saecularia). Die in Klöstern lebenden Orden werden nach kanonischem Recht den Ordensinstituten (Instituta religiosa) zugeordnet, wie bspw. Benediktiner, Zisterzienser, Prämonstratenser.
Zu den bekanntesten „Gemeinschaften des Apostolischen Lebens“ (Societates vitae apostolicae) zählen die Jesuiten und die Vinzentiner. Ihre Form des Zusammenlebens ist zwar monastisch geprägt, jedoch im Gegensatz zu den rein kontemplativen Orden (in Stille und Gebet lebend) steht bei ihnen der aktive Einsatz in der Welt im Vordergrund (z. B. Seelsorge, Bildung, Mission, Caritas).
Quellen:
J. Schmiedl: Orden, I. Theologisch, Version 08.06.2022, 09:10 Uhr, in: Staatslexikon8 online, URL: https://www.herder.de/staatslexikon/artikel/orden/ (abgerufen: 07.10.2026)






