Verbascum
Die Anwesenheit von Königskerzen ist meistens eher einem Zufall geschuldet. Sie sät sich selbst aus. Als Beikraut finden sie sich irgendwann in Beeten ein. Dann ragen sie vereinzelt aus Beeten empor. Das Ausreissen ist meist zu mühsam und dann sind sie doch attraktive in ihrer blühenden Gestalt. So wird den Königskerzen mit ihren majestätisch blühenden Kandelabern ihre Anwesenheit geduldet. Insekten und sinnenfrohe Menschen freut das. In einigen Stiften ist ihre Anwesenheit nicht einmal als Wegschmuck bei den Fronleichnahms-Prozessionen geduldet. Die Sense macht ihnen alljährlich den Garaus. Dann gibt es aber noch die Klöster, die sich dem Kräuteranbau verschrieben haben. Dort sind die Königskerzen willkommen und erhalten den ihnen gebührenden Platz.
"Die Königskerze braucht einen Hintergrund, der sie hervorhebt, oder einen Einzelplatz, auf dem sie als imposante Pflanze auch im kleinsten Garten wirkt."
Abtei zur heiligen Maria, Fulda

Gegen Brust und Husten
Dioskurides kannte die Königskerzen (Verbascum) nur als Mittel gegen Durchfall. Dabei sollten die Wurzeln zur Anwendung kommen. In den Blättern sah er ein Heilmittel bei der Behandlung von Wunden, Quetschungen und Rupturen und bei chronischem Husten. Den Blüten allerdings erkannte er nur einen Nutzen beim Färben der Haare zu. Erst Hildegard von Bingen beschrieb die Königskerze mit ihren Blüten als ein Mittel bei Erkältungen und Heiserkeit. Ihre Empfehlung für die Einnahme bei erkältungsbedingte Beschwerden deckt sich mit den heutigen Indikationen. Die Blüten der Königskerze (Verbasi flos) verfügen über schleimbildende Substanzen und wirken zugleich auswurffördern. Bei Erkältungen im Frühstadium ist das ein hilfreiches Mittel zur Reinigung der Atemwege. Noch bevor sich die Keime festsetzen können, werden sie durch Abhusten ganz natürlich eliminiert.
Bei Zubereitungen mit den Blüten der Königskerzen kann auf den Wein verzichtet werden. Auch wenn das Hildegard von Bingen ausdrücklich empfahl. Insgesamt sind alkoholische Zubereitungen bei erkältungsbedingten Erkrankungen nicht empfehlenswert.

Hildegard von Bingen
„Auch wer an der Stimme oder in der Kehle rau ist und wer Beschwerden in der Brust hat, der nehme gleich viel Königskerze und Fenchel und koche diese in gutem Wein, …“
Nutzbringende Schönheiten
Königskerzen (Verbascum) können einem in verschiedener Gestalt begegnen. Sie stellen eine eigene Pflanzengattung dar. In unseren Breiten sind es drei Schwestern die zur Verwendung als pflanzliches Heilmittel in Frage kommen. Es handelt sich um die Grossblumige Königskerze (Verbascum densiflorum), Gemeine Königskerze (Verbascum phlomoides) und die Kleinblütige Königskerze (Verbascum thapsus). Alle drei sind gut voneinander zu unterscheiden, haben aber alle die gleiche Wirkung. Meist wachsen sie als Wildformen. So finden sich die Gemeinen Königskerzen (Verbascum phlomoides) gerne auf Waldlichtungen, an Böschungen und freien Plätzen. Sie kommt überall in Europa vor. Das Wildsammeln von Blüten der Königskerzen erfordert einen gewissen Aufwand. Damit dürfte das einer der Gründe sein, weshalb in den Kräutergärten gutsortierter Klöster die Königskerzen angebaut werden. Sie blühen während der Monate Juli bis August.
Begehrte goldene Blüten
Der Zeitpunkt des Pflückens entscheidet über die Qualität der Blüten. In den Morgenstunden kurz nach dem Aufblühen sind noch alle Inhaltsstoffe vollständig enthalten. Pollen und Nektar wurden noch nicht von Insekten als Nahrung genutzt. Meist haben sie noch eine Feuchte vom Morgentau. Das muss beim anschliessenden Trocknen berücksichtigt werden.
Vielfach wird den Bienen und anderen Insekten ein Vorrang eingeräumt. So werden die Blüten erst am Abend von den Kandelabern der Königskerzen abgelesen. Auch wenn sie tagsüber als Nahrungsquelle dienten sollen abends die Blüten immer noch genügend wertvolle Inhaltsstoffe verfügen, was sie als Sammelgut qualifiziert.


Magister omnisciens
Inhaltsstoffe:
Saponine, Iridioide, Flavonide, ätherisches Öl
Wirkung:
reizlindernd, auswurffördernd, krampflösend
Standort:
magerer sandiger Boden, sonnig, warm und geschützt





