Das Kloster Knechtsteden ist beispielhaft für die Sehnsucht der Menschen nach einem Fleck, wo Spiritualität als Selbstzweck gelebt wird und sich entfalten kann. Die einstige Prämonstratenser-Abtei wurde fünfhundert Jahre nach ihrer Gründung im Zuge der Säkularisation durch Napoleon I. aufgehoben. Dem Spiritianer-Orden gelang es, mit dem Erwerb des Klosters das monastisch-spirituelle Leben an diesem Ort wieder zu beleben. Es ist vielleicht eine dieser Besonderheiten, dass die Spiritianer das Kloster leiten, aber viele Verantwortlichkeiten abgegeben haben. So sind heute um sie herum eine Reihe von Institutionen und Einrichtungen entstanden, die von der Ausstrahlung Knechtstedens als religiös-kulturelles Zentrum partizipieren. Einen Kräutergarten bewirtschaften die Spiritianer nicht mehr. Das haben sie Ehrenamtlichen überlassen. Es scheint ein symbiotisches Miteinander, das viele Freiheiten und Entfaltungsmöglichkeiten ermöglicht.

Ein Gärtchen zur Freude
Wie ein Stellwerk überragt das Gartentürmchen den Kräutergarten. Der eigentliche Klostergarten von Knechtsteden umfasst eigentlich viel mehr. So wird der Obstsortengarten von der Biologischen Station betreut. Die Arbeit im Kräutergarten übernehmen Ehrenamtliche. Wer das Kloster Knechtsteden besucht, muss das Klostergelände vollständig durchqueren, um zum kleinen Kräutergarten zu gelangen. Gross ist er nicht. Viel Arbeit macht er trotzdem. Der klimabedingte Wassermangel verlangt den Pflänzchen und den Gärtnerinnen einiges ab. Da helfen die Schatten der hohen Hecken und Bäume nur bedingt. Wenn dann schon etwas wächst, dann sind es auch die Beikräuter. Wer kennt das nicht?! Die fleissigen Hände im Kräutergarten haben alle im Griff. Alle Pflänzchen sind beschildert und sie sind thematisch geordnet. Von der obersten Stufe der hölzernen Treppe am Gartenhaus hat man einen herrlichen Ausblick auf die Beete und die bevorstehende Weinlese.

Beete zum Schauen
Vor allzu strengen Witterungseinflüssen schirmen die hohen Bäume des nahgelegenen Knechtsteder Busches ab. Hinterm Kräutergarten schliesst sich die grosse Streuobstwiese des Obstsortengartens an. Vom benachbarten Kulturgut ist nichts zu hören. Am Samstagmorgen ist der Kräutergarten ein ruhiger, kühler Ort in der rheinischen Sommerhitze. Menschen mit Hunden suchen die Bänke im Schatten auf. Nur wenige Besucher verirren sich in den hinteren Teil des Klostergeländes. Die meisten bleiben bereits am Klosterladen hängen. Von da aus wären es nur noch wenige Schritte. So bleiben die Kräuter unter sich in ihren halbschattigen Beeten.



Der Knechtsteder Kräutergarten ist ein Schaugarten. Hier werden keine Kräuter angepflanzt, die geerntet und zu Tees, Tinkturen oder Heilmitteln verwendet werden. Das Potenzial dazu hätten sie. Soweit wir es übersehen konnten, waren es allesamt Heilpflanzen und Heilkräuter. Schön, dass es den Ehrenamtlichen vom Kloster Knechtsteden am Herzen liegt, die heilenden Kräfte der Natur den Menschen nahe zu bringen.

Das Tor steht offen
Der Ordnung halber verschliessen die Besucher und Besucherinnen immer wieder das hölzerne Tor. Als hätte es einen eigenen Willen schwingt es sich bereits nach wenigen Augenblicken wieder auf, wie von Geisterhand bewegt. Wahrscheinlich mag der Garten Gäste und Besucher. Sie scheinen ihm jederzeit willkommen. Davon kündet auch das Schild neben dem Eingang.



Heilkräuter aus dem Klostergarten
Ringelblumen sind typische Vertreterinnen der Volksmedizin. Auch in Klöstern entfalteten sie schon immer ihre Wirkung. Bei Wundheilung und zur Hautpflege war sie stets eine geschätzte Helferin. Hildegard von Bingen schätzte ausdrücklich ihre Grünkraft!


Info und Anreise:
Der Kräutergarten und die Klosteranlage sind frei zugänglich. Es ist ein offenes Gelände und Wegweiser geben Orientierung.
Dormagen ist die nächstgelegene Bahnstation. Busverbindungen mit freundlichen Fahrern gibt es. Die Fahrradwege sind gut ausgeschildert. Parkplätze sind reichlich vorhanden.

