Wer nach Citeaux will, braucht Geduld. Unerlässlich für dieses Vorhaben sind Beharrlichkeit, Glück und Gottes Segen. Letzterer ist in der Mutter aller Zisterzienserklöster nicht so ohne weiteres zu erlangen. Die Klosterkirche, wie alles andere auch, ist kein offener Ort. Sie wird – wie alles – über die Mittagszeit verschlossen. Selbst die spirituelle Einkehr hat Öffnungszeiten. Besichtigungen der Abtei sind nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Insgesamt erfordern Anreisen nach Citeaux einen hohen organisatorischen Aufwand. Reduzieren lässt sich dieser bei der Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug. Dann bereitet der grosszügige Parkplatz viel Freude. Ein veritables Verwirrspiel entspinnt sich beim Versuch der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Ohne das Beherrschen der französischen Sprache ist ein Scheitern vorprogrammiert. Sind erst alle Hürden überwunden, öffnen sich die Türen zum Ausblick auf die baumbestandenen Wiesen und die Reste der einst stolzen Abtei.

Quand il pleut
Wetterfühlige Naturen sollten eher zu Hause bleiben. Das verdeutlicht wohl auch der zum Himmel ausgerichtete Blick von Robert de Molesme dem Gründer der Abbaye Citeaux. Seine steinerne Figur hat im Laufe der Zeit bereits moosige Flecken bekommen. Der Regen im Burgund kann ausdauernd und ergiebig sein. Bestens vorbereitet sind die Gastgeberinnen des Besucherzentrums. Regenschirme halten sie für ihre Gäste und die Besichtigungstouren parat. Tiefhängende Wolken schaffen das Klima, was einst der Bourgogne und auch der Abbaye Citeaux zum Wohlstand verhalf. Es war die Zeit, da hatte der Hände Werk noch Wert. Besser, die Gründer des Zisterzienserordens erkoren drei Tugenden zu den Grundpfeilern zisterziensischen Lebens: Beten, Lesen, Arbeiten. Letztere Tugend war den Benediktinern abhanden gekommen. Sie hatten mittlerweile gewinnbringendes Beten professionalisiert. Wohlstandsdenken hatte die monastischen Ideale abgelöst. In diese Lücke sprangen die Gründer des Reformordens. Weite landwirtschaftlichen Flächen boten schon damals reichlich Betätigung. Mit erfolgreichem Wirtschaften auf den eigenen Gütern liessen sich so Einkünfte für ein prosperierendes Klosterleben generieren. Heute ist es der Käse, der Citeauxer Mönche. Auf ihm liegt alle Hoffnung. Er soll den rettenden Beitrag erwirtschaften und die Zisterzienserabtei vor dem nochmaligen Niedergang bewahren.

Le jardin est-il florissant
Die Substanz des Klosters ist im Laufe der Geschichte geschrumpft worden und war letztendlich aufgebraucht. Die Französische Revolution hat ihr Übriges dazu getan. Sichtbar ist das im historischen Gebäudebestand. Von der einst grossen und stolzen Abtei sind nur zwei nennenswerte Gebäude übrig. Das sind die Bibliothek und das ehemalige Novizenhaus neben ein paar Säulenresten. Klösterliches Leben war im 18. Jahrhundert in Citeaux ausgelöscht. Durch einige Launen des Schicksals jedoch gelangten religiöse Gemeinschaften wieder in den Besitz der Liegenschaften des einstigen Klosters. Mit Ausgang des 19. Jahrhunderts kehrte zisterziensisches Leben nach Citeaux zurück. Im Jahre 1898 besiedelten Trappisten die Abtei von Neuem. Bescheiden ist ihr Auftreten. Sie leben in Klausur und lieben die Abgeschiedenheit. Ein wenig Teilhabe schenken sie uns mit Besichtigungstouren, dem schattigen Weg der Stille und ihrem Käse.



Viel ist es nicht, was von ihrer fast 900 Jahre währenden Geschichte übrig blieb. Von den historischen Gebäuden sind nur zwei und ein paar Grundmauern zu besichtigen. Alles andere gehört zur Klausur oder ist schlichtweg nicht mehr vorhanden. Beinahe trostspendend wirkt das Besucherzentrum. Es gibt einen Einblick in die Geschichte der Abtei und in das Wirken der Zisterzienser. Ein kleiner Garten unmittelbar hinter dem Eingang dient eher zum Schmuck und lädt weniger die Besucher zum Verweilen und Geniessen ein. Ob das die Mönche tun, ist nicht bekannt.

Même les plus petits grandissent
Die Gartenanlagen der Zisterzienserabtei von Citeaux bestechen nicht durch besondere Schönheit und Rafinesse in der Gestaltung oder beeindruckenden mit Pflanzen. Heilkräuter und -pflanzen sind nicht das Geschäft der Mönche von Citeaux. Tees und weitere heilpflanzliche Zubereitungen beziehen sie aus anderen Klöstern. Das Angebot im Klosterladen präsentiert eine gute Übersicht, was in Frankreichs Klöstern diesbezüglich alles hergestellt wird. Im Bewusstsein um die Grossartigkeit der Geschichte und seiner Bedeutung haben wir dem Klostergarten der Abbaye Citeaux diesen Beitrag gewidmet.



Info und Anreise:
Interessierte sollten sich unbedingt vor dem Besuch mit den Modalitäten vor Ort vertraut machen. Wer den Bus von Dijon nehmen möchte, kann nicht auf die Mobigo-App vertrauen! Sie hat im Laufe der Jahre ihre Funktionalität eingebüsst. Hilfreich bei telefonischen Bestellungen für die sogenannten Ruf-Busse sind in den Hotels die Mitarbeiterinnen an der Rezeption.

