Mitten in Gottes grossem Garten
Konsequent in zisterziensischer Tradition gründeten sie ihr Kloster fernab grosser Städte und Orte im Grunde eines Tales. Sie leben von der Arbeit ihrer Hände. Mitten im Wald am Fusse der Cottischen Alpen, im Westen des Piemonts, haben sich Ende des 20. Jahrhunderts Zisterziensermönche niedergelassen. Wer dorthin will, muss sich auf einen zweieinhalb Stunden dauernden steilen Fussmarsch gefasst machen. Der Weg führt über Serpentinen durch Kastanienwälder vorbei an alten Bauernhöfen. Beim Aufstieg wird die Luft leichter und der Lärm zivilisatorischer Geräusche weicht. Die Stille wird dominiert vom Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Bäche und Quellen. Der Hinweis auf die Gemarkung Pra’d Mill ist zugleich der Wegweiser zum Kloster Dominus Tecum.

Fernab grosser Aufregungen
An der letzten Wegbiegung verschwindet auch der letzte Balken fürs mobile Netz auf dem Handy. Jetzt wird es wirklich still. Es ist ein wirklich ablegener und ruhiger Ort mitten im Wald. Dort, wo der Baumbestand sich lichtet, werden die Höhenzüge und die mit Schieferplatten bedeckten Dächer der Klostergebäude sichtbar. Üppig grünende Bergwiesen und ein lockerer Laubbaumbestand umgeben die niedrigen Bauten. Sie schmiegen sich in die Landschaft, als wollten sie unbedingt dazugehören. Abgrenzende Mauern gibt es nicht. Besucher, Wanderer und Pilger werden förmlich hineingezogen in einen Garten, der eigentlich keiner ist. Es gibt Blumen, Bäume und Sträucher, dazwischen Bänke und Ruheplätze. Die Klosterkirche ist offen zum Innehalten und fürs Gebet. Beim gemeinsamen Stundengebet werden die Mönche der kleinen Gemeinschaft für Aussenstehende sichtbar. Sie leben und arbeiten ihrer Bestimmung entsprechend zurückgezogen. Drinnen in der Besinnung schweift der Blick durch die Fenster in die Natur. Das Kloster Dominus Tecum liegt nicht nur auf einer Lichtung. Es ist eine Lichtung – in den Wirren unseres Alltags!

Frischer Blick auf Altbekanntes
Maria tanzt mit dem Engel. Mit einem kleinen Perspektivenwechsel sieht es sogar aus, als ob die beiden streiten. Tatsächlich hat der französische Bildhauer Jean Pierre Augier mit beiden Bronzefiguren die Verkündigung des Engels geschaffen. Sie stehen im Rasen am Fusse des Aufgangs zur Klosterkirche. Der landschaftliche Bezug verstärkt die ambivalente Wirkung beider Figuren auf die Betrachter. Damit ist dem Künstler und seinen Auftraggebern etwas ganz Wunderbares gelungen. Eine statische Deutungshoheit ist durch eine freie uneingeschränkte und frische Sichtweise ersetzt. Gänzlich unerwartet fröhlich präsentiert sich Maria mit dem Jesuskind links neben dem Altar in der Klosterkirche. Das ist ein Lobpreis für das Lebens.



Lohnenswerter Gegenentwurf
So konträr die Lebensweise in einem Kloster zum weltlichen Alltag sein mag, so wenig ist sie revolutionär. Sie ist von Traditionen geprägt, die eben Errungenschaften des modernen Alltags in Frage stellen. Wer hat nicht gerne Konfitüren von Hand gemacht? Was ist einzuwenden gegen einen geregelten Tagesablauf. Wieso spielt Glauben nur Sonntags und in Nöten eine Rolle? Diesen Gegenentwurf leben die Zisterzienser von Pra’d Mill. Die Früchte ihrer Arbeit kann man schmecken und sehen. Sie wachsen direkt vor ihrer Haustür und werden mit ihren Händen veredelt. Ein ausgedehnter Obstgarten beherbergt zahlreiche Apfelbäume und die Aroniasträucher stehen gerade in der Blüte. Für die Bienenvölker wird gesorgt. Der nahe Wald hält reichlich Nahrung parat. Im Klosterladen bieten sie ihre köstlichen selbstgekochten Marmeladen und den Honig ihrer Stöcke zum Verkauf an.
Heilkräuter aus dem Klostergarten
Im Klostergarten dienen die Weissdornsträucher vorrangig zur Zierde. Dass sie Vögeln und kleineren Tieren gerne Unterschlupf gewähren, ist ihren Stacheln zuzuschreiben. Dabei kann der Weissdorn noch viel mehr. Er ist ein Herzensstärker!





Eng verbunden mit der Natur und den Lauf der Jahreszeiten ist die klösterliche Gemeinschaft von Pra’d Mill. Dabei ist es keine Abkehr von dieser Welt sondern vielmehr eine Hinwendung zu dem, was wir unserer Welt nicht mehr zurechnen. Es wirkt ein wenig romantisch und aus der Zeit gefallen, auf den Wiesen rund ums Kloster zu wandeln, die Natur zu schauen, zu staunen und jeder auf seine Art zu meditieren. Die Heilkräuter werden in Pra’d Mill nicht gezüchtet. Es gibt keinen Garten dafür. Sie wachsen im Wald und auf den Wiesen ringsum. Mit ein wenig Achtsamkeit sind sie leicht zu finden.

Nichts für alle
Frei fühlen sich die Besucher des Monastero Dominus Tecum. Es gibt nicht viele Verbotsschilder für die Gäste. Eines wollen die Mönche bei aller Offenheit aber respektiert wissen. Das ist ihre Privatsphäre. Was sich hinter den Abgrenzungen verbirgt, erweckt sicherlich hin und wieder Neugierde. Die bewusste Abgrenzung brauchen sie dennoch für die Ausübung ihrer klösterlichen Berufung. Das sollten wir respektieren.



Info und Anreise:
Der kürzeste Weg zu Fuss führt von Bagnolo Piemonte. Ab Pinerolo gibt es eine Busverbindung (Richtung Barge).

