Die Gute Beth, sie ist das Ziel zahlreicher Wallfahrten. Elisabeth Achler ist ihr richtiger Name. Mit ihr begann franziskanisch-klösterliches Leben in Reute . Das war bereits vor rund 600 Jahren; in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Sie führte ein Leben in Armut und Gebet, bewirkte dabei Wunder und erhielt Stigmata. Selig gesprochen wurde sie 1766. Bis heute wird die Gute Beth als ‚Wundertäterin Oberschwabens‘ verehrt. Ihre Gebeine ruhen auf dem Klosterberg zu Reute. Die Franziskanerinnen von Reute verehren sie zutiefst und leben nach ihrem Vorbild. Sie leben im Gebet, dem Gelübde der Armut und von ihrer Hände Arbeit. Diese Lebensauffassung kennt für sie keine Altersgrenze. So schwingt schon mal eine 80-jährige die Schippe, weil die Arbeit schliesslich getan werden muss. Das ist für sie selbstverständlich, weil sie zu den Generationen gehören, bei denen Fleiss und körperliche Arbeit den Lebensunterhalt garantierten. Sie freuen sich am Gelingen und den Beitrag, den sie für ihre Gemeinschaft leisten.

Ein Hort zum Leben
Die Gärten von Reute haben alles, was ein Klostergarten bieten sollte. Sie dienen der Einkehr, sind ein Ort der Stille, und dort wächst, was dem Lebensunterhalt dient.
Im Zentrum des Klostergartens steht die im Jahre 1865 errichtete hölzerne Halle. Ihre Anwesenheit trennt die Gärten zwischen Arbeit und Ruhen. Auf der einen Seite laden gepflegte Wege im Schatten hoher Bäume und ein kurzgeschnittener Rasen zum Bummeln und Ausruhen ein. Sogar Liegestühle gibt es. Jenseits der Hecke über der Strasse reihen sich die Kräuterbeete des Klosters zu einem grossen bunten Feld.
Mag das Hauptaugenmerk verständlicherweise auf gärtnerischer Produktivität liegen, ein Ausgleich ist jedoch stets bedacht. Nennen wir es einfach: floral gedachte klösterliche Work-Life-Balance. Die Liebe zu den Heilkräutern und -pflanzen zeigt sich nicht allein auf dem grossen Feld am Fusse des Klosterbergs. Vor den Gewächshäusern kann jedermann und jedefrau sich ein Bild von traditionellen Heilkräutern und deren Wirkungen machen. Sie sind beschildert und beschriftet und in einem kleinen Kreuzgärtchen untergebracht. Wer will, kann sie ganz meditativ auf einem der grünen Bänke sitzend betrachten.

Kräuteranbau rein biologisch
Hervorragende Qualität ohne Chemie ist machbar. Die vielen Mühen und kräftezehrenden Arbeiten sind allerdings nicht zu übersehen. Zu jeder Tageszeit sind die Gärtnerinnen und Gärtner geschäftig unterwegs. Dafür stehen die Pflanzen und Kräuter in bester Verfassung. Natürlich wollen auch die Beikräuter in Schach gehalten werden, sonst wuchern sie über. Schwester M. Birgit zuckt resigniert mit den Schultern, wenn sie an die Ackerwinden in den Pfingstrosen denkt. Es ist keine Kapitulation, sondern eher ein Akzeptieren mit schwerem Herzen, dass in Gottes grossem Garten nicht alles spriesst, wie es soll. Strahlend und dabei doch bescheiden verweist sie allzu gern, auf alles was in ihren Gärten wächst und gedeiht. Zu den Kräutern und Heilpflanzen weiss sie viel zu berichten. Fürs Erzählen hat sie eigentlich gar keine Zeit. Sie hat doch noch so viel vor in ihren Beeten!



Morgens nach der Laudes streben die emsigen Schwestern ihrem Tagwerk zu. Voller Freude eilen sie zum Kräutergarten. Es ist Erntezeit. Ihre weissen Schleier flattern im Licht der Sommersonne. Bereits unmittelbar nach Sonnenaufgang werden die Blüten der Königskerzen gepflückt. Die Arbeit braucht flinke Hände. Das sind Fertigkeiten, über die auch die älteren Schwestern noch verfügen. Nicht ohne Humor begründen sie das mit „jahrelanger Übung!“ Schmunzelnd verraten sie, dass ihr Tätigsein sie vor Demenz schütze. Sie freuen sich über das Werk der Schöpfung, das sie immer wieder aufs Neue beschenkt. Gegen Mittag sind dann die Ringelblumen dran. Weil das aber eine tiefe gebeugte Körperhaltung verlangt, wird das von den Gärtnerinnen übernommen. Zwischendrin sind dann die Kornblumen mit Zupfen dran. Unterm Dach liegen sie später dann zum Trocknen aus. Den Weg dort hinauf überwinden sie in grossen Körben. Die sind allerdings den älteren Schwestern zu schwer.

Jede Menge Arbeit
So ein Klostergarten macht ganz schön viel Arbeit. Dabei ist es nicht der Garten alleine, der versorgt und gepflegt werden will. Reine Schönheit nährt nicht. Sind erst die Früchte, Blüten und Blätter geerntet, wollen sie verarbeitet und haltbar gemacht sein. Fleissige Hände sind gefragt.
Stehen die Türen der hölzernen Halle offen, entweicht ihr ein würzig blumiger Duft. Wenn die Schwestern am Tisch sitzend die frisch gepflückten Kräuter zum Trocknen vorbereiten und sortieren. Ihre Sorgfalt zahlt sich aus. Nicht nur die Kräuterteemischungen von Kloster Reute sind begehrt. Auch andere Produzenten von Kräutertee-Mischungen haben Interesse an der Bio-Ware aus Reute. Vom kühlen Morgen bis in die warmen Nachmittagsstunden herrscht stille Geschäftigkeit, wenn Kräutersaison ist. Der Duft der Kräuter erfüllt den Raum.
Heilkräuter aus dem Klostergarten
Die Blüten der majestätischen Königskerzen sind ein wunderbares Heilmittel bei Erkältungen und Reizungen im Hals- und Rachenraum. Das wusste bereits Hildegard von Bingen. Sie empfahl den Ansatz der Blüten in Wein.


Ein ganz besonderer und stiller Ort verbirgt sich hinter den Gewächshäusern. Das Kräuterlabyrinth ist eine Freudenort für Mensch und Tier. Vierbeiner sind damit nicht gemeint. Schmetterlinge, Falter, Hummeln und Bienen üben emsig kollisionsfreien Flugverkehr über und zwischen den blühenden Stauden, Hecken, Kräutern und Blumen. Nahrungsquellen gibt es für sie hier zuhauf. Wer einen ruhigen heiteren Ort sucht, zieht sich auf eine der Bänke mit Blick auf die spiralförmig angelegten Rabatten zurück. Es ist ein Ort der Stille, sonst hört man nicht das Brummen der Hummeln, das Summen der Bienen und den Wind.



Info und Anreise:
Zahlreiche Wander- und Fahrradwege kreuzen sich am Fusse des Klosterberges. Der nächste Bahnhof befindet sich in Bad Waldsee.
In regelmässigen Abständen führt Schwester M. Birgit die Besucher durch den Klostergarten von Reute. Interessenten müssen sich rechtzeitig vorher anmelden!

