Was wäre Kaufbeuren ohne sein Cresentiakloster? Die Franziskanerinnen sind ein Teil ihrer Stadt. Davon künden die historischen Gebäude des Klosters im Zentrum der Altstadt. Sie waren, und sind es immer noch, eng miteinander verwoben . Egal ob Reformation, Dreissigjähriger Krieg, königlich bayrische Säkularisation. drittes Reich – ihren Franziskanerinnen im Crescentiakloster hielten die Kaufbeurer Bürger die Treue. Vielleicht erklärt das, weshalb die Schwestern das steile Stück Land hinter ihrem Kloster als Berggarten den Bürgern und Besuchern der Stadt öffneten. Seitdem hat sich ihr Berggarten zu einer Touristenattraktion und zum Ruhepol für die Nachbarschaft entwickelt.

Ein besinnlicher Berggarten
Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass das steile Stück Land gegenüber der Klosterkirche einmal zu Versorgung der Klosterbewohnerinnen diente. Es ist der steile Hang hinauf zur Stadtmauer. Sein Gefälle ist so steil, dass die meisten Besucher froh sind, sich beim Auf- oder Abstieg an Geländern festhalten zu können. Dass der Anbau Kräuter und Gemüse in einzelnen trotz steiler Lage zweifellos möglich ist, davon zeugen auch heute noch einige Beete. Vom wahrscheinlich einst vorherrschenden Obstbaumbestand ist fast nichts mehr übrig. Stattdessen hat ein schattenspendender Baumbestand die Herrschaft übernommen. Im Zickzack zieht sich ein steiler Weg nach oben durch das baumbestandene Grundstück. Kleine Terrassen mit Bänken bestanden bieten einen freien Blick über die Ziegeldächer von Kaufbeuren und den Türmen seiner Kirchen. Auf den einzelnen Etagen laden ruhige Ecken und Grotten zur Andacht und Gebet ein. Ein Ort der Besinnung soll es sein. Das war der Wunsch der Crescentia-Schwestern bei der Umgestaltung ihres Gartens. Dieser Einladung kommen die Besucher:innen gerne nach, wenn auch nicht alle den Stationen des Sonnengesangs vom Heiligen Franziskus folgen.

Im Spiel von Licht und Schatten
Acht Stationen beinhaltet die gärtnerische Interpretation des Sonnengesangs. Kaum wohl ein anderes Lied kündet von so einer innigen Liebe zur Schöpfung und ihres Schöpfers wie Franziskus‘ Sonnengesang. Sonne, Mond, Wind und Regen, das alles lässt sich im Berggarten mühelos erfahren. Er ist von früh bis spät geöffnet und für jedermann und jederfrau zugänglich. Möglicherweise war es eine pragmatische Entscheidung. Den Moden der Zeit folgten die Kaufbeurer Franziskanerinnen nicht. Ihr Berggarten versteht sich nicht als ‚Laudatio-Si-Garten‘. Sie beliessen es bei einer Huldigung an des Heiligen Franziskus Sonnengesang. Ganz oben lodert das Feuer. Die Sonne grüsst aus der Mitte. Am Fusse des Berges plätschert das Wasser. aus einem Brunnen. Der Heilige Franziskus weilt im Schatten hoher Bäume. Ihm zu Füssen blühen die Lilien.



Ohne fleissige Helfer geht es nicht. Freiwillige kümmern sich in ihrer Freizeit. Sie halten den Garten in Schuss. Das gleicht einer Sisyphus-Arbeit. Am Berg herrscht immer Bewegung auch ohne die Besucher:innen, die nicht immer menschlicher Herkunft sind. Der Berggarten des Crescentiaklosters ist ein Insektenparadies. Die vielen blühenden Pflanzen und Kräuter bieten ihnen reichlich Nahrung. Das waldige schattige Gehölz ist ein kleines Biotop für fliegendes und kriechendes Getier. Mit ein wenig Ruhe und Geduld lässt sich manches Flüchtige entdecken.

Oase am steilen Hang
Der Kaufbeurer Klostergarten ist mit der Aufgabe seiner ursprünglichen Funktion eine Besonderheit. Er dient nicht mehr der Selbstversorgung des Klosters. Die Abgeschiedenheit des Gartens als Teil der Klausur haben die Franziskanerinnen bewusst aufgegeben. Sie haben mit ihrem Berggarten einen Rückzugsort geschaffen für Menschen, die eine Oase der Ruhe und Besinnung benötigen. Ihr Berggarten ist eine Einladung zum Gebet. Sie haben einen Ort der Stille und der Andacht geschaffen mitten in der Natur unter des Schöpfers weiten Himmel.



Info und Anreise:
Der Garten wie auch das Kloster sind nur fussläufig erreichbar. Beides liegt mitten im verkehrsberuhigten Stadtkern Kaufbeurens. Selbst Fahrradfahrer sollten rechtzeitig nach Stellplätzen Ausschau halten. Direkt vor dem Klostertor sind die Plätze knapp. Es gibt einen unteren Eingang direkt gegenüber der Klosterkirche (unbedingt anschauen!). Einen weiteren Zugang gibt es oben unterhalb der Stadtmauer.

