Die Gärten der norddeutschen Frauenklöster
Unter den Klöstern nehmen die norddeutschen evangelischen Frauenklöster und Damenstifte eine Sonderstellung ein. Historisch gewollt führen die Konventualinnen die monastischen Traditionen nach der Reformation fort.
Die Reformation war eine gute Gelegenheit für viele Landesfürsten und -herren, die Gütern und den Besitz von Klöstern sich zuzueignen. Die Aufhebung und Auflösung der Klöster in den Herrschaftsgebieten evangelischer Fürsten, Herzöge und Grafen war die Regel. Ganz anders sah das Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen Herzogin von Braunschweig-Lüneburg. Sie konvertierte zum Luthertum, hatte aber mit den ehemals katholischen Klöstern in ihrem Herzogtum ganz andere Pläne. Sie sah in Klöstern vornehmlich Stätten der Erziehung und Lehre für Frauen und Mädchen. Daneben bestimmte sie die Einkünfte und das Vermögen der Klöster separat von der Staatskasse zu führen. Ihr zu Ehren spricht man heute noch von den Calenberger Klöstern.
„Daß die Stifte und Klöster, vorzeiten in guter Meinung gestiftet, um gelehrte Leute und züchtige Weibsbilder zu er- ziehen, wiederum zu solchem Gebrauch geordnet werden sollen,…“.
Elisabeth von Calenberg-Göttingen Herzogin von Braunschweig-Lüneburg
Auch andere evangelische Landesherren verschonten einige Klöster, wenn auch aus anderen Motiven. Die Lüneburger Klöster verweigerten sich zunächst der Vereinnahmung durch ihren Fürsten. Durch Konversion zum lutherischen Glaubensbekenntnis konnten sie sich ihren Fortbestand sichern. Für den Fürsten war es Trumpscher Sieg. Zuerst verleibte er sich die Besitztümer und Liegenschaften der Klöster ein, um dann im Sinne der Reformation die Bewohner zu vertreiben. Heftigster Protest zeigte Wirkung und fand Unterstützung beim Adel und bei den Patriziern. Die Klöster änderten ihr Glaubensbekenntnis, alles blieb beim Alten und der Fürst kam zukünftig für den Unterhalt der sogenannten Lüneburger Klöster auf.
Meist fungierten die evangelischen Frauenklöster im Norden Deutschlands als Versorgungsanstalten für die Damen und Töchter des Adels. Das führte zu einer Besonderheit in der Anlage und Gestaltung norddeutscher Klostergärten. Jeder Konventualin oder Kanonissin stand eine eigene Gartenparzelle zu. Sie waren durch Zäune, Mauern oder Buchsbaumhecken voneinander getrennt. Die körperliche Arbeit in den Gärten liessen die Damen adligen Geschlechts standesgemäss von Bediensteten erledigen. Nicht immer waren prachtvolle blühende Oasen das Ergebnis dieser Vorgehensweise. Von bedrückender Einöde zeugen die Gärten der Kanonissen mit ihren Gebetshäusern im Kloster Drübeck.


Kloster Ebstorf

Damenstift Walsrode

Kloster Isenhagen

Kloster Wülfinghausen

Bemerkenswertes in den Gärten des Lüneburger Damenstifts …
Heilpflanzen in den Gärten der Konventualinnen
In den meisten Gärten der evangelischen Damenstifte finden sich vor allem Küchenkräuter für den eigenen Gebrauch. Die Auswahl an Heilkräutern in ihren Klostergärten ist beschränkt. Entweder dienen sie vorrangig zur Anschauung oder zur Versorgung der Bewohnerinnen, die so zahlreich nicht sind.




