Das Kloster der Minderbrüder von Megen ist schon von Weitem sichtbar. Seine Mauern grenzen an den Deich zu Maas und sind faktisch ein Teil der Stadtgrenze. Neugierige Menschen schauen über die Mauer. Was sie erblicken, ist ein wunderschöner Garten mit Obstbaumbestand. Der kleine Friedhof des Franziskanerklosters schmiegt sich fast schon schmucklos an die nördliche Grenze des Gartens. Alles scheint aufgeräumt, wohlbestellt mit blühenden und früchtetragenden Büschen. Seit beinahe vierhundert Jahren dient dieser Garten den im Kloster lebenden Mönchen zur Selbstversorgung mit Obst, Gemüse und Blumen. Ganz sicher war ihr Garten schon immer ein Ort der Kontemplation oder einfach zur Erholung. Bis heute ist es ein Klostergarten geblieben. Daher bleiben die Tore verschlossen. Für Besucher öffnen sie sich nur an bestimmten Tagen für wenige Stunden. Dann sind sie eingeladen, sich vom Konzept ‚Hof van Lof‘ inspirieren zu lassen.

Kreativität und Fleiss
Einst diente der grosse Klostergarten der Selbstversorgung für die im Kloster lebenden Brüder. Einst war auch das gegenüberliegenden Gymnasium dem Kloster zugehörig. Seit den Sechziger Jahren werden die Kapazitäten nicht mehr benötigt. Heute ist die Fläche des Gartens für die verbliebenen Bewohner des Franziskanerklosters zu gross, um sie sinnvoll zu bewirtschaften. Die klösterliche Gemeinschaft ist im Laufe der Jahre geschrumpft. Ihre Resourcen sind nun an anderer Stelle gebunden. Für den Garten war da wenig übrig geblieben. Selbst das Ernten der Früchte wurde im Laufe der Zeit zur Herausforderung.
Die Lösung fand sich in der Sehnsucht der Menschen nach der Anwesenheit einer monastischen Gemeinschaft in ihrem unmittelbaren Umfeld. In der Bevölkerung besteht der tiefe Wunsch nach dem Fortbestand der klösterlichen Gemeinschaft. Gedanken darüber, wie sich der Garten weiter betreiben und die Minderbrüder unterstützt werden könnten, machten sich vor rund 25 Jahren eine Gruppe Freiwilliger. Entstanden ist die Stiftung Hof van Lof. Seitdem gestalten und hegen die Ehrenamtlichen gemeinsam mit den Minderbrüdern den bestaunenswerten Garten.
Hof van Lof – so sollte das grosse Konzept heissen. Und es ist gelungen! Ein Lobpreis Gottes mit Blumen und Pflanzen, das war die Idee. Die meisten Obstbäume im Garten mussten weichen. Blumen, Pflanzen, Kräuter mit religöser Bedeutung erhielten Vorrang. Es ist erstaunlich wieviel Heiligen Blumen zugeordnet sind.

Hof van Lof
Einen Hof der Lobpreisungen haben Freiwillige auf dem Gelände des Klostergartens der Minderbrüder gestaltet. Zunächst sieht es erst einmal wie ein gepflegter und schön gestalteter Garten aus. In seiner Mitte steht eine stählerne Plastik des Heiligen Franziskus mit einem Vogelschwarm. Es handelt sich um eine Kopie des Werkes von Frederick Franck. Das Konzept des floralen Lobpreises – Hof van Lof – umfasst die beiden Felder in nördlichen Teil des Klostergartens. Der erste Teil stellt das Kirchenjahr dar. Den einzelnen Höhepunkten im Kirchenkalender sind passende Pflanzen und Blumen zugeordnet. Im zweiten westlichen Feld finden sich blumige Zuordnungen zu den Jahreszeiten, Figuren und Themen aus dem Alten und dem Neuen Testament. Ahnungslosen und ratsuchenden Besuchern stehen die Freiwilligen gerne mit Erklärungen bei einer Tasse Tee zur Seite. Sie sind die perfekten Gastgeber.



Wie in jedem ordentlichen Klostergarten gibt es auch bei den Mindbroedern in Megen einen Kräutergarten. Er befindet sich gleich links hinter dem Klostergebäude. Die Anordnung der Kräuter entspricht einer losen Ordnung und folgt keinen starren Regeln. Kein Wunder, wenn sich die begehrte Schwarznessel quer über das gesamte Gartenareal ausgebreitet hat. Wie gut, wenn es an jeder Ecke etwas zur Beruhigung gibt. Ein Teil der Streuobstwiese darf heute nur noch Wiese sein. Die Sonnenhungrigen freut das. Es ist einfach schön, auf den Bänken dazusitzen, in den Himmel zu schauen und den Wolken beim Wandern zuzuschauen. Meditativ ist der Rosengarten am Maria Zithoek. Das ist ein beschaulicher Platz im Halbschatten. Schräg gegenüber wachsen Passionsblumen. Franziskus steht schattig von Efeu umrankt, während der Patron des Klosters, Antonius von Padua mit Moosflecken auf den Kräutergarten schaut.

Tor zum Glück
Statt einer Gartenlaube gibt es einen ehemaligen Schuppen. Dort, wo einst landwirtschaftliche Geräte standen, ist jetzt Gemütlichkeit eingezogen. Öffnen sich seine Tore, bietet er Schutz bei Wind und Regen. Schatten und Kühle hat es in ihm bei Sonnenschein. Bei einer Tasse Tee lässt sich in ihm angenehm ausruhen, sitzen und plaudern. Jede Menge Informationen halten die Freiwilligen parat. Selbst das Geheimnis der Heiligen Bohnen geben sie preis!
Die niedrigen Sonnenblumen in Höhe von Sint Jan sind keine gewöhnlichen. Das sind Titus-Brandsma-Blumen. Sie sind dem durch die Nazis im KZ Dachau ermordeten niederländischen Heiligen Titus Brandsma gewidmet. Sein Aufenthalt in Megen war nur von kurzer Dauer. Man erinnert sich noch heute seiner Anwesenheit vor Ort. Die nach ihm benannte Sonnenblume erzählt seine tragische Geschichte. Sie ist ein Zeichen der Mahnung und der Hoffnung zugleich. Vielleicht berührt sie gerade in diesen Tagen, wenn Menschen wie damals beginnen, menschenverachtenden Ideologien nachzufolgen. Wie diese Sonnenblumen, könnten noch viele andere Blumen Geschichten von Heiligen und Märtyrern erzählen. Vorausgesetzt, man nimmt sich Zeit, blättert in den Broschüren, oder fragt einen der Ehrenamtlichen von Hof van Lof.



Info und Anreise:
Der Garten ist den Brüdern des Franziskanerklosters vorbehalten. Besichtigungen ermöglicht die Stiftung ‚Hof van Lof‘ zu regelmässigen Terminen, die auf der Website bekannt gegeben werden.
https://www.minderbroedersfranciscanen.net/2021/11/22/megen/
Wochentags und Samstag ist Megen an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Es fahren Busse von der nächstgelegenen Bahnstation Oss.
Wie alles in den Niederlanden ist auch Megen mit dem Fahrrad gut zu erreichen. Schön ist die Fahrt auf dem Deich der Maas bei Rückenwind mit dem Blick in die herrliche weite Landschaft.

