Der Kreuzgarten – im Zentrum monastischen Lebens
Der Kreuzgarten kann leicht als die florale Interpretation des christlichen Kreuzzeichens verstanden werden. Dementsprechend missverständlich war wohl die formale Gartenkritik des Kardinal Ratzingers am Schäftlarner Prälatengarten. Vier Himmelsrichtungen und zwei sich kreuzende Wege mit einem Brunnen im Zentrum, das ist ein häufig anzutreffendes Muster bei der Gestaltung eines Kreuzgartens. Die Zisterzienser hingegen platzierten das Brunnenhaus (Zisterne) regelhaft mit direkten Zugang zum Kreuzgang statt im Zentrum. Tatsächlich ergibt sich das Gestaltungsmuster eines Kreuzgartens aus seiner Grundfläche. Sie bildet meist ein Quadrat oder zumindest ein Rechteck.
In gartenhistorischen Betrachtungen wird immer wieder der Kreuzgarten, bzw. der Garten im Kreuzgang als der vielbeschriebene ‚Hortus conclusus‘ genannt. Der Garten im Kreuzgang öffnet sich dem Himmel. Er ist ein Ort des Schweigens und des Gebets, dem Entrücktseins vom Alltäglichen.
Der Ursprung des Kreuzgartens dürfte im Grundriss des klösterlichen Kreuzganges liegen. In der Regel ist der Kreuzgarten die hofartige Innenfläche des Kreuzgangs. Der Kreuzgang eines jeden Klosters ist ein zentraler Punkt und besonderer Ort für die Gemeinschaft. Seine überdachten Gänge verbinden die Wohn- und Funktionsgebäude mit der Klosterkirche. Er bildet architektonisch den Vorhof und Übergang zum Eingang in die Kirche. Für die Mönche und Nonnen ist der Kreuzgang ein stiller Ort zur Sammlung, zur Meditation und des vorbereitenden Gebets. Die Kreuzgänge der Kartäuser sind an den Seiten mit zusätzlichen Kapellen ausgestattet, in denen sie im Gebet bis zur Messe verharren. Innerhalb eines klösterlichen Gebäudekomplexes ist der Kreuzgang ein Lichthof. In ihm eröffnet sich ein direkter Blick zum Himmel. Er lässt den Schein der Sonne und die Feuchtigkeit des Regens zu. Die Seitenmauern schirmen den Wind und die Einflüsse der Aussenwelt ab. Es ist ein stiller geschützter Raum – ein idealer Platz für einen kleinen Garten. Als Ort des Schweigens und des vorbereitenden Gebets drängt sich förmlich auf, dass der Bepflanzung und Auswahl der Pflanzen sakrale Inspirationen zugrunde liegen. Beispielhaft ist die Rose, die Blume Mariens. Sie zählt neben immergrünen Gewächsen zu den beliebtesten Bepflanzungen klösterlicher Kreuzgärten.










