brunnen bunt, barocke Formen müssen nicht kitsch- und prunkgetrieben sein. Dem Negativbeispiel einiger österreichischer Klöster wurde bei der Neuanlage dieses Gartens nicht gefolgt. Die kreuzenden Wege symbolisieren die vier Himmelsrichtungen

Hortus conclusus oder ein Hortus secretum im Benediktiner-Stift Altenburg

Was verbirgt sich im verschlossenen Garten?

In den Nutzgärten vom Stift Stams wird Obstbau betrieben.
In den Nutzgärten vom Stift Stams wird Obstbau betrieben.

Moderne Hochbeete im Klostergarten der Südtiroler Salvatorianerinnen in Merano.

garten insight. Zwischen den Gemüsen blüht es recht dekorativ.
Im Kloster Engelberg blüht es zwischen den Gemüsen dekorativ.

Obstbäume bilden den Bestand des Prälatengartens im Kloster Roggenburg.

Sinnhaftiges zu Prälatengärten

Blick in den Priorgarten des Stifts Göttweig
Blick in den Priorgarten des Stifts Göttweig

Durch diese Gartentür gelangen die Franziskaner-Mönche vom Kloster in den Kräutergarten.
Die historische Klosteranlage hinter dem Maas-Deich ist intakt und folgt dem Laufe der Zeit mit einer gottgegebenen Kontinuität.
Tafel mit dem Prolog der Benediktusregel im Stift Göttweig: Höre mein Sohn auf die Lehren des Meisters

Klostergärten sind vor allem Vielfalt. Ihre Ausgestaltungen folgen keinem klaren Muster. Der häufig zitierte St. Gallener Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert kann aus heutiger Sicht lediglich als Blaupause einer idealen Klosterstruktur gesehen werden. Ein Arznei-, ein Küchen- und ein Obstgarten sind darin vorgesehen. Die tatsächliche und vollständige Umsetzung des Gesamtkonzepts hat es bisher nicht gegeben. Wesentlich grösseren Einfluss als der viel gepriesene Plan hatten über die Zeiten Gartenmeister wie der berühmte Walahfrid Strabo (807-849). Sein Wirken hatte offensichtlich Einfluss auf die Entwicklung des klösterlichen Gartenbaus zwischen Fulda und dem Bodensee und weit darüber hinaus. Das mag an der von ihm geschaffenen wunderbaren Lektüre ‚Liber de Cultura hortorum‘ und seinem eindeutigen Praxisbezug gelegen haben. Daneben hatte auch er tüchtige Lehrer wie Abt Grimaldus. Ungenannt bleiben die vielen unbekannten Gartenbaumeister und Gärtner, welche im Laufe der Zeiten die Gärten im Sinne der Klöster und den Interessen ihrer Äbte entwickelten, umgestalteten und bewirtschafteten. Ihre Spuren finden sich in den Entwicklungsgeschichten eines jeden einzelnen Klostergartens. Selten ist es nur der eine Garten, den ein Kloster umgibt. Gärten mit unterschiedlichen Bestimmungszweck bilden die breitgefächerten Bedürfnisse innerhalb monastischer Gemeinschaften ab. Im Zentrum aller Überlegungen zur klösterlichen Gartengestaltung steht das Prinzip einer eigenverantwortlichen wirtschaftlichen Unabhängigkeit, die quasi mit der Benediktusregel (BR 66,6) vorgeschrieben ist.

Mit seinem Regelwerk hatte der Heilige Benedikt von Nursia (ca. 480−547) zwar eine autarken Selbstversorgung monastischer Gemeinschaften im Sinn. Viel wichtiger war ihm, dass sich die Unterscheidung und Abgrenzung zur Welt draussen nicht nur spirituell, geistig, kulturell sondern vor allem auch strukturell vollzieht. Mönche sollen nicht ausserhalb des Klosters herumlaufen (RB 66,7). Einer der Gründe liegt in dem mit den Stundengebeten klar geordneten Tagesverlauf. Arbeiten und Gebet sind im Ablauf eines Tages eng miteinander verwoben. Besonders drückt sich das im Singen von Psalmversen während der Handarbeit aus. Das ist eine bereits durch die Kirchenväter Augustinus und Basilius begründete Tradition. Zeit für Müssiggang ist ausdrücklich nicht vorgesehen (RB 48,1). Daher betonte Benedikt, dass alles Wichtige sich innerhalb der Klostermauern befinden müsse. Dazu zählten selbstverständlich auch ein Garten für das Kloster. Benedikt verwendete in seiner Regula den Singular und nicht den Plural. In diesem Punkt deutet sich bereits die erste Diskrepanz zwischen der Regula und ihrer praktischen Umsetzung an. Wahrscheinlich konnte sich der Heilige Benedikt bei der Formulierung seiner Regel nicht vorstellen, welch grossartige Klosteranlagen mit prächtigen Gärten im Laufe der Jahrhunderte entstehen sollten. Bereits im St. Gallener Klosterplan sind verschiedene Gartenformen benannt. So sind ein Küchengarten (hortus), der Heilkräutergarten (herbularius) und ein Obstgarten (pomarius) im Plan eingezeichnet. 

Kulturhistorisch wird das Anlegen und Bewirtschaften von Gärten als eines der fundamentalen Zeichen des Sesshaftwerdens gesehen. Besonders deutlich wird das in der göttlichen Ermahnung seines Volkes Israel im babylonischen Exil: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte (Jeremia 29, 5). Bereits in der Genesis hatte Gott die Bestellung des Gartens durch den Menschen vorbestimmt (Gen. 2,15). In den sparsamen Sätzen deutet sich die Funktion eines Nutzgartens an, der in Schönheit erblüht. Das Leben und Wohnen in Klöstern als ideale Mönchsform ist eines der fundamentalen Forderungen in der Regel des Heiligen Benedikts (RB 4,78). Er stellte sich energisch gegen ein wanderndes und umherziehendes Mönchstum. Mit dem Gelübde der Stabilitas bindet den Mönch bzw. die Nonne sich auf Lebenszeit an die klösterliche Gemeinschaft. Stabilitas loci meint das Bleiben im Kloster. Dass es für viele unter ihnen dann doch anders kommen sollte, ist ein Teil der Tragik und Crux im Laufe der Geschichte. Wirtschaftlichen Krisen, politische und gesellschaftliche Entwicklungen, klimatischen Änderungen, Kriege, Pest, Cholera haben oftmals Mönche und Nonnen zum Aufgeben ihrer Klöster gezwungen. Viele von ihnen wurden in die Flucht getrieben. Es war nicht nur die Reformation, die klösterliche Traditionen in ganzen Landstrichen auslöschte. Selbst katholische Könige und Kaiser nutzten häufig die üppigen Vermögen von Klöstern zum Aufbessern maroder Staatsfinanzen oder zur Befriedigung adliger Günstlinge. Revolutionen und Kriege führten zu Zerstörung und Vertreibung. Auch das ist die Geschichte der Klostergärten. Daher ist die Annahme einer stabilen Entwicklung von Klostergärten oder eines unveränderlichen Musters falsch. Sie ist dem Menschen tief innewohnendem Bedürfnis nach Kontinuität geschuldet. Dabei werden die ebenso beeindruckenden Weiter- und Neuentwicklungen von klösterlichen Gärten und Gartenformen, wie bspw. im Zisterzienserstift Zwettl, als Zeichen der Zeitgeschichte übersehen. Sie bilden in beeindruckender Weise die Entwicklung des Klosters über die Jahrhunderte hinweg ab. Hinzu kommen die Gärten neugegründeter oder wiederbelebter klösterlicher Gemeinschaften. Von ihnen gehen mitunter völlig neue Impulse im Gartenbau und Gartennutzung aus.

Die Gärten monastischer Gemeinschaften sind in der Regel keine Schöpfungen zum Gefallen anderer. Es gab zwar häufig Äbte mit einem ausgeprägten Sinn für prunkvolle Repräsentation. Im Vergleich mit der Vielzahl der Klöster waren das nur wenige. Dafür schufen sie aber herausragende Beispiele klösterlicher Gartenarchitektur, die bis heute unsere Bewunderung verdienen. Klostergärten im eigentlichen Sinne erfüllen einen völlig anderen Zweck, der sich an den Notwendigkeiten der jeweiligen klösterlichen Gemeinschaft orientiert. Abhängig von den klimatischen Bedingungen, regionalen, kulturellen und historischen Gegebenheiten entwickelten sie sich entsprechend den Bedürfnisse innerhalb der Gemeinschaften. So unterscheiden sich bspw. die Gärten der Kartäuser deutlich von denen aller anderen Orden. An Individualität sind die zu den Klausen (Zellen) zugehörigen Gärten nicht zu übertreffen. Hingegen finden wir in den Gärten der Franziskaner häufig eine Verschmelzung von Nutz- und Ziergarten in Verbindung mit sakralen Elementen, das alles in Einem vereint. Bei den Trappisten hingegen scheint die Nutzenoptimierung soweit vorangeschritten, dass wir als Besucher uns bereits über Blumenschmuck in den öffentlichen Bereichen freuen. Klostergärten entsprechen auch den Verlangen nach Abgrenzung und Betonung von Hierarchien innerhalb der Gemeinschaften. Eindrucksvolle Zeugnisse sehen wir in den Prior- und Prälatengärten und der Unterscheidung zwischen Patres- und Fratres-Gärten wie in Engelberg. Selbst die evangelische Klöster haben ihre eigene Gartenkultur: die Damengärtchen.

freie sicht jardin et musee salagon

Gartenkunst wiederbelebt im Hofgarten des Stifts Seitenstetten

Gärtnerinnen und Gärtner der Klostergärten

Ohne helfende Hände geht es in keinem Garten. Dass die Mühen Blüten und Früchte hervorbringen ist meist einzelnen, ihren Ideen, ihrer Kraft und ihrer Begeisterungsfähigkeit zu verdanken.

Padre Renato al balcone di sua convento sopra il mare mediterrano.

Padre Renato

Contento e Chiesa dei Frati Capuccini, Monterosso; Gemüse, Kräuter und Früchte des Gartens für die Brüder und ihre Gäste.

Wenn die Benediktinerin Schwester Beatrice die Harke schwingt, dann wächst etwas im Klostergarten zu Fahr.

Sr. Beatrice

Benediktinerinnen-Kloster Fahr; Erhalt alter einheimischer Sorten und die Schönheit des Gartens sind ihr wichtig.

Frater Gianluca sieht die viele Arbeit in seinem Garten mit Sorge und Respekt.

Fr. Gianlucca

Convento Santa Maria dei Frati Capuccini, Bigorio; Gartenbau und Bienenzucht in hohen Lagen zum Erhalt des Konvents.

Schwester Christa trug in alten Zeiten noch den Schleier der Benediktinerinnen.

Sr. Christa

Benediktinerinnenabtei zur Heiligen Maria, Fulda; ökologischer Gartenbau aus Leidenschaft und Überzeugung.

Artischocken werden auch von den Schweizer Benediktinerinnen zu Fahr bei Zuerich sehr geliebt. Deshalb bauen sie die auch in ihrem Klostergarten an.
Andorn in den Beeten des Universitätsgarten des Campus Friedberg der Goethe-Uni.
Blutwurz im Kräutergarten des Klosters Lorsch.