Flunkereien am Dom

Der Pandhof der Domkerk gehört zu Utrecht wie die hohe Kathedrale in unmittelbarer Nachbarschaft. Die endlose Schlange des Besucherstroms schlängelt sich zum Dom und von dort zu dem Garten, und zurück. Ob sie nun von Osten oder Westen kommen. Sie finden stets ein offenes Tor. Beim Verlassen finden sie sich auf einem der schönen Plätze Utrechts wieder, und können ihren Bummel fortsetzen. Was sie hinter den Toren zu sehen bekommen, wird ihnen als Klostergarten verkauft. Das ist es aber nicht. Es ist ein typischer Kreuzgang mit Spitzbögen, Kreuzrippengewölben und Wasserspeiern am Dach. In seiner Mitte plätschert ein Brunnen, eingerahmt in quadratische Beete. Der Etikettenschwindel wird kaschiert mit der einstigen Anwesenheit der Dominikaner im Domkapitel. Zu seiner Zeit, wie auch heute, war das nichts Ungewöhnliches. Eine Klostergründung war dafür nicht notwendig. Allein der Nachweis dafür fehlt. Allerdings ist für die meisten der Besuch eines Klostergartens attraktiver als der eines Kreuzgangs. Seiner Beliebtheit als Touristenattraktion hat das dem Pandhof bisher nicht geschadet.

Auf die Hilfe der Freiwilligen und auf die Heilkräuter hat die Universität Utrecht bei der gärtnerischen Gestaltung ihres Pandhofs bewusst verzichtet.
Buchsbaumhecken in  Kniehöhe bilden Quadrate und die gärtnerische Gliederung des Kreuzganges im Pandhof der Domkirche zu Utrecht.
Die Figur des schreibenden Hugo Wstinc krönt den Brunnen in der Mitte des Pandhofs. Sie stellt einen Dominkanermönch aus dem 14. Jahrhundert dar.
Gotisches Regelwerk in Reinform beeindruckt die Besucherinnen des Pandhofs der Domkirche in Utrecht,

Irgendwo zwischen Gotik und Renaissance erzählt der Pandhof der Domkirche zu Utrecht seine Geschichte.

Brunnen ohne Heilige

Dem schreibenden Mönch auf der Säule in der Mitte des Gartens rinnt unterhalb seines Gewandes unablässig Wasser herab. Das ist beachtenswert, und ergibt auf den ersten Blick gar keinen Sinn. Ging den Gestaltern der Brunnenfigur ein altes Menschenleiden durch den Sinn? Handelt es sich dabei um ein Denkmal für einen unbekannten Heiligen? Sint Incontientia könnte der Titel der bronzenen Figur lauten. Ganz dezent läuft das Wasser hinab, währenddessen der Schreiber ungerührt in entspannter Pose verharrt. Alles fliesst und sammelt sich in den grossen Schalen zu seinen Füssen. Ursprünglich war der Brunnen mit der schmückenden Figur nicht für den Kreuzgang am Dom gedacht. Die Stadt Utrecht schenkte sie der Universität als Zeichen tiefer Verbundenheit. Das geschah lange nachdem der letzte Kleriker durch den Gang mit Blick auf den Garten wandelte. Nach der Reformation wurde die Domkerk protestantisch. Die angrenzenden Gebäude wurden der Universität zugeschlagen. Im Kapitelhaus wurden von da an Vorlesungen gehalten statt Beratungen der Domherren. Im Kreuzgang des Pandhofes zog studentisches Leben ein und verband die Wege zwischen Hörsaal und Bibliothek.

Innenhof mit Grün

Pandhof ist die Zusammensetzung zweier Worte. Pand kann mit Innenhof oder Kreuzgang übersetzt werden. Das Wort Hof hat hierbei die Bedeutung als Garten. Der Pandhof ist ein Kreuzgang mit Garten. Irgendwann wuchsen auch einmal Kräuter in den Beeten am Fusse der Domkirche. Damals waren noch Freiwille zugange, die sich um sie kümmerten. Ihnen sind die pflegeleichten Varianten moderner Gartengestaltung gewichen. So richtig historisch einwandfrei war die Anwesenheit der Kräuter allerdings nicht. Beim Pandhof von de Domkerk handelte es sich nicht um einen klösterlichen Kräutergarten. Es war ursprünglich der Bischofsgarten. Wie in solchen Fällen üblich, waren dies Ziergärten im Sinne des Zeitgeistes. So ist es nicht weiter schlimm, wenn heute die 21 quadratischen Beete überwiegend Buchsbaum repräsentieren. Wer einen richtig schönen Kräutergarten mit Kreuzgang sehen will, braucht nur einige Strassen weiter zum Pandhof Sinte Marie zu gehen. Die 10 Minuten zu Fuss sind es wert.

Info und Anfahrt:

Der Pandhof van de Domkerk zu Utrecht befindet sich mitten in der historischen Altstadt Utrechts. Zu Fuss und per Fahrrad ist er gut zu erreichen.

täglich geöffnet von 10 bis 16 Uhr

An verschiedenen Fest- und Feiertagen bliebt der Pandhof geschlossen. Informieren Sie sich rechtzeitig vor einem Besuch.

https://www.uu.nl/organisatie/de-pandhof-van-de-dom/bezoekersinformatie