Crataegus
Weissdorne begegnen uns in vielerlei Gestalt. Manchmal sind es Bäumchen, andermal Sträucher und wiederum Hecken. Es handelt sich um Grossträucher aus der Familie der Rosaceae (Rosengewächse). Wir kennen heute Weissdorne als Herzensstärker. Das betrifft zumindest seine Blüten und Blätter, wenn sie als Tee-Drogen verwendet werden. Weniger begehrt sind seine roten kugeligen Früchte. Ihre Wirkung beschrieb Dioskurides als Mittel zur Stuhlregulierung bei Durchfällen. Die harmonisierende und herzstärkende Wirkung von Blättern und Blüten war lange Zeit unbekannt. Daher diente der Weissdorn (Crataegus) in Klostergärten vorwiegend als Zier- oder Symbolpflanze. Seine reinweissen Blüten entfalten sich, wenn der Frühling die kalten Nächte hinter sich gelassen hat.
Strauch voller Wunder
Wunder gibt es immer wieder. Besonders im Mittelalter wurde damit wohl nicht gespart. Mitten im Winter war das natürlich ein Zeichen Mariens. Ein blühender Weissdornzweig sollte dem Abt Hermann den neuen Standort für sein Zisterzienserkloster anzeigen. Den mittelalterlichen Schilderungen nach soll das im Jahr 1222 im Nistertal so geschehen sein. Die Gründungslegende um das Kloster Marienstatt ist genauso lebendig, wie der Weissdornstrauch neben der Marienstatue mit dem Jesuskind. In Erinnerung an die wundersame Weisung ziert eine fünfblättrige Weissdornblüte das Wappen der Abtei.

Erst in den warmen Frühlingstagen des Monats Mai entblättern die Weissdorne ihre weissen Blüten. Sie zeigen an: die kalten Nächte sind vorbei. Eine wichtige Nahrungsquelle sind sie für viele Insekten. Er selbst schützt sich mit harten Dornen und recht oft Vogelfamilien und deren Brut. Im Laufe der Jahreszeiten spenden die grossen Büsche oder als Bäume gezüchteten Weissdorne mit ihrem dichten dunkelgrünen Blattwerk Schatten.
Hart und Rot im Herbst
Die knallroten Früchte des eingriffligen Weissdorns (Crataegus) lassen sich schwer von denen des Rotdorns (zweigriffliger Weissdorn) unterscheiden. Die als Heinzelmännerchen bezeichneten Früchte (und sogar die Blüten und Blätter) wurden früher in der Volksmedizin als Gurgelmittel gegen Halsschmerzen und als Aufguss gegen Durchfall verwendet.

In der alten Klosterheilkunde schien der Weissdorn keine Rolle gespielt zu haben. Die Quellen geben nicht viel her. Die Heilige Hildegard hatte nicht viel für ihn übrig. Der Lebenswandel der Nonnen und Mönche war nicht auf Stress und Hektik ausgelegt. Litten sie dennoch an Herzensschwäche, dürften andere Ursachen dafür in Frage kommen. Zu den Herzelixieren zählten weder die Blätter noch die Blüten oder die Früchte des Weissdorns (Crataegus). Da war Stärkeres gefragt. Zubereitungen des Weissdorns benötigen einen längeren Einnahmezeitraum bis sie wirken. Geschmacklich sind sie eher neutral. Teezubereitungen aus Weissdornblättern haben oftmals eine leicht fischige Note.

Hildegard von Bingen
„Weissdorn hat weder die rechte Wärme noch rechte Kälte, sondern Trägheit.“
Hildegard verglich den Weissdorn mit Unkraut und sah in ihm keinerlei Nutzen.
Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Wirkung des Weissdorns (Crataegus) in ärztlichen Kreisen erwähnt. Es waren wohl die Iren, die mit ihm die Herzen stärkten. Noch heute streiten die Experten um die Wirkung (Crataegus). Ein Herzmittel erster Wahl ist er nicht. Er braucht einfach zu lange. Begleitend bei frühen Erkrankungszeichen zeigt er vielmals eine gute Wirkung. Blutdruck- und Blutfett-senkende Wirkungen können mit Lebensstiländerungen zusammenhängen. Wer sich für die Einnahme von Weissdornextrakten entscheidet, hat sein Leiden erkannt und ist bereit, daran etwas zu ändern.. Das kann in manchen Fällen viel bewirken.

Magister omnisciens
Inhaltsstoffe:
Oligomere Proanthocyanidine, Crataeguslacton, Trimethylamin, Glykoside, Oxyacanthin
Wirkung:
herzstärkend
Standort:
sonnig bis Halbschatten auf nährstoffreichen Böden
Quellen:
Fintelmann, V., Weiss, R. F., Kuchta, K.; Lehrbuch Phytotherapie, Karl F. Haug Verlag Stuttgart, 12. Auflage 2009.
von Bingen, Hildegard; Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge ‚Physica‘; übersetzt von Ortrun Riha, Beuroner Kunstverlag, 2012.
Thévenin, T.; Perraudeau, C.; Jousson, J.; Le Chemin des Herbes, Les Éditions Ulmer, Paris 2019.
https://www.hmppa.at/wp-content/uploads/2024/11/OeAZ-24_23-Weissdorn.pdf; 21.09.2026






